APEX RACEWIRE Redaktion
Norris glänzt in Ungarn: McLaren dreht auf, Ferrari patzt
Lando Norris beendete die erste Saisonhälfte mit einem eindrucksvollen Sieg in Ungarn, während Ferrari durch entscheidende Fehler Chancen liegen ließ.
Von Michael de Vries - 2026-07-26T19:19:43.000Z - 3 Min. Lesezeit

Lando Norris hat den Großen Preis von Ungarn für sich entschieden und den Erfolg als eine seiner besten Leistungen überhaupt beschrieben. Dies markiert einen bedeutenden Wendepunkt für den amtierenden Weltmeister und sein McLaren-Team nach einem zähen Saisonstart. Mit den jüngsten Upgrades hat das Team Norris endlich ein Auto bereitgestellt, das seinen Erwartungen wieder entspricht – eine Steilvorlage, die er optimal nutzte.
Sein Rennen verlief nahezu makellos, abgesehen von einem kleinen Schnitzer in Kurve zwei, wo er nach einem guten Start von der Pole-Position die Führung kurzzeitig an Teamkollege Oscar Piastri verlor. Trotz der bekannten Überholprobleme auf dem Hungaroring blieb Norris gelassen. Er bemerkte schnell, dass sein Tempo selbst in dreckiger Luft dem von Piastri überlegen war, was ihm das nötige Selbstvertrauen für den Sieg gab.
Ein strategischer Schachzug von McLaren um die Rennenmitte erwies sich als entscheidend. Piastri wurde an die Box geholt, um den Stopp von Lewis Hamilton abzudecken, was Norris freie Fahrt verschaffte und ihm eine Reihe schneller Runden ermöglichte. Obwohl Piastri die Führung womöglich hätte behaupten können, zwang ihn später eine Kollision beim Überrunden von Carlos Sainz wegen eines Getriebeschadens zur Aufgabe. Dies verhinderte einen potenziellen Doppelsieg für McLaren. Piastris Frust nach dem Rennen richtete sich allerdings primär gegen Sainz und nicht gegen die Teamstrategie.
Norris führt seinen Erfolg auf eine Phase intensiver Arbeit und Selbstanalyse zurück. Er konzentrierte sich darauf, seinen Fahrstil zu verbessern und die Komplexität der aktuellen Fahrzeuggeneration besser zu verstehen, die seiner Ansicht nach ein hohes Maß an Energiemanagement erfordert. Teamchef Andrea Stella bestätigte diese Entwicklung und betonte, dass Norris seine Emotionen nun besser im Griff habe und seine Fähigkeiten selbst unter Druck effektiver abrufe.
Die jüngsten Updates am McLaren MP4/20 brachten einen deutlichen Leistungssprung, und für den Großen Preis der Niederlande nach der Sommerpause ist bereits das nächste Upgrade geplant. Trotz seines Sieges bleibt Norris realistisch. Er warnt vor zu hoher Erwartungshaltung und hebt hervor, dass die Stärke in Ungarn angesichts der starken Konkurrenz keine Garantie für volle Wettbewerbsfähigkeit auf jeder Strecke sei.
Ferrari, am Freitag noch als schnellste Kraft erschienen, erlebte einen Sonntag zum Vergessen. Nach einem enttäuschenden Qualifying und einer Startplatzstrafe für Hamilton wegen Behinderung von Piastri kamen die roten Renner letztlich nicht über die Ränge vier und fünf hinaus. Teamchef Frédéric Vasseur räumte ein, dass von der Boxenstopp-Strategie bis hin zu den Verteidigungsaktionen zu viele Fehler unterlaufen seien, was wertvolle Punkte gekostet habe.
Für Kimi Antonelli, der den dritten Platz belegte, bedeutet das Ergebnis den Erhalt seiner souveränen WM-Führung. Sein Teamkollege George Russell erlebte dagegen erneut ein frustrierendes Rennen, das von einem Motorproblem überschattet wurde, das ihn ans Ende des Feldes zurückwarf. Obwohl er sich noch auf den siebten Rang vorkämpfte, wächst der Rückstand auf Antonelli, und die Häufung technischer Defekte setzt Russell in dieser Saison spürbar zu.
Piastri übte nach seinem Ausfall scharfe Kritik an Carlos Sainz, dem er mangelnde Übersicht beim Überholvorgang vorwarf. Sainz wiederum beteuerte, von Piastris Anwesenheit überrascht worden zu sein, und hielt den Zwischenfall für unvermeidbar. Ein defektes GPS-System trug womöglich zur Verwirrung bei, doch für Piastri blieb der Vorfall neben dem Getriebeschaden eine bittere Pille, die ihn um die Chance auf einen Podestplatz brachte.