APEX RACEWIRE Redaktion
FIA-„Softwarefehler“ macht F1-Finale zur Farce: Hallo Abu Dhabi 2.0?
Eine verwirrende Safety-Car-Situation, knapp verhindertes Drama und ein FIA-„Softwarefehler“ sorgten für eine Antiklimax, die dem zynischen F1-Zuschauer nur zu bekannt vorkommt.
Von Kritische Hans van den Broekma - 2026-07-05T21:25:46.000Z - 3 Min. Lesezeit

Es sollte ein hochspannendes Finale werden, ein Kampf auf Messers Schneide. Charles Leclerc auf frischen weichen Reifen, George Russell auf gebrauchten Mediums und Lewis Hamilton, ebenfalls auf Softs, direkt dahinter. Ein Podiumskampf zum Zunge-Schnalzen! Doch leider hatten die F1-Götter – oder vielmehr die Timing-Screens der FIA – andere Pläne. Gerade als sich alle auf den Neustart nach dem Crash von Max Verstappen einstellten, erschien die erlösende Meldung: Safety Car kommt herein, das Rennen geht weiter! Ein paar Augenblicke später, als das Adrenalin schon durch die Adern pumpte, folgte die eiskalte Dusche: Das Safety Car bleibt doch draußen. Das Ergebnis? Eine Antiklimax sondergleichen.
Und da haben wir den Salat wieder. Wer 2021 in Abu Dhabi dabei war, wird zweifellos ein Déjà-vu erlebt haben. Damals Michael Masi, heute ein „software glitch“. Die FIA beeilte sich mitzuteilen, dass die anfängliche, irreführende Meldung auf einen „Softwarefehler“ zurückzuführen sei, der „sich selbst vorausgeeilt“ habe. Jawohl, die Software war offenbar etwas zu enthusiastisch. Die Ironie dabei: Selbst Masi eilte in Abu Dhabi „sich selbst voraus“, indem er das Reglement kreativ auslegte. Nun ja, Irren ist menschlich, selbst für Software, die von Menschen geschrieben wurde, oder etwa nicht? Mercedes-Teamchef Toto Wolff wischte die Aufregung mit einem Schulterzucken ab: „Fehler passieren“ und „es wurde korrigiert, also gut“. Welch eine Ruhe im Chaos!
Während das Publikum nach einem Dreikampf zwischen Hamilton, Russell und Leclerc lechzte, musste es sich mit einer Prozession hinter dem Safety Car zufriedengeben. George Russell, der in Abu Dhabi '21 mitansehen musste, wie sein Teamkollege Lewis Hamilton „beraubt“ wurde, bemerkte trocken: „So ist das Rennen eben.“ Auch Hamilton selbst wollte die Geister der Vergangenheit nicht heraufbeschwören und wiederholte schlicht: „Dasselbe wie George gesagt hat.“ Offensichtlich keine Lust, wieder einen Stock hervorzuholen, um auf die FIA einzudreschen. Aber seien wir ehrlich: Jeder wollte dieses Spektakel sehen. Hamilton auf frischen Softs gegen Russell auf abgefahrenen Mediums – dafür bezahlt man doch, oder?
Die Verwirrung am Ende war nur der Schlussakt eines Rennens, das bereits voller Drama steckte. Kimi Antonelli, der WM-Führende von Mercedes, war nach einem ausgeklügelten Boxenstopp-Manöver gegen Leclerc auf dem Weg zu einem sicheren Sieg. Er schloss mit halsbrecherischem Tempo auf und der Sieg schien zum Greifen nah. Doch dann schlug das Schicksal zu: Lenkungsprobleme, zwei Boxenstopps, eine gelöste Karbon-Radabdeckung und eine Strafe wegen Überschreitung der Track Limits. Vom sicheren Sieger bis außerhalb der Punkte – schlimmer ging es kaum. Sein komfortabler Vorsprung in der Weltmeisterschaft schmolz dahin wie Schnee in der Sonne.
George Russell hingegen zeigte eine strategische Meisterleistung. Indem er auf ein Rennende hinter dem Safety Car zockte und draußen blieb, kletterte er auf den zweiten Platz. Sein Rückstand auf Antonelli beträgt nur noch 25 Punkte, Lewis Hamilton folgt mit 7 Punkten Rückstand. Der WM-Kampf ist plötzlich wieder völlig offen! Russell selbst gab zu, dass Antonelli bisher den besseren Job gemacht habe, erkannte aber an, dass er seine eigenen Leistungen steigern müsse. Und dann war da noch Ferrari, die mit Charles Leclerc den Sieg holten. Sie waren in Silverstone viel schneller als erwartet, eine „besondere Überraschung“ laut Leclerc selbst. Wird nun doch ein echter Herausforderer für die Mercedes-Dominanz aufstehen, oder war das nur ein einmaliger Ausreißer? Die Zeit wird es zeigen, aber die „Software“ wird sich zweifellos wieder zu Wort melden.