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In der Formel 1 prallen Welten aufeinander: Fans applaudieren der Aktion, Fahrer kritisieren Motoren

Während Formel-1-Chef Stefano Domenicali die „super positiven“ Fanreaktionen auf die 2026-Motoren lobt, äußern Spitzenfahrer wie Max Verstappen und Oscar Piastri ihre tiefe Unzufriedenheit mit den neuen Antriebsquellen und dem „Jo-Jo-Rennen“.

Von Sanne Vermeer - 2026-07-29T12:50:21.000Z - 3 Min. Lesezeit

Photo: Wikimedia Commons contributor / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Die 2026 eingeführte neue Generation der Formel-1-Motoren sorgt für eine klare Trennung im Fahrerlager. Während die Formel-1-Organisation das gesteigerte Spektakel lobt, fordern die Fahrer zunehmend Veränderungen. Der Kontrast zwischen dem wahrgenommenen Fanerlebnis und der Frustration der Fahrer ist frappierend.

Formel-1-Chef Stefano Domenicali erklärte kürzlich, dass die Fans das Geschehen auf der Rennstrecke mit Begeisterung annehmen. Ihm zufolge liegt ihr Fokus auf den Ereignissen, ohne sich mit der komplexen Technologie hinter den Motoren wie „Clipping“ oder Energieabgabe zu befassen. Diese technischen Details sind für ein breites Publikum zu kompliziert, was zu einer überwiegend positiven Wahrnehmung der Rennen führt. Er spricht sogar von einer „weitgehend superpositiven“ Reaktion.

Die Kritik der Fahrer konzentriert sich insbesondere auf das Phänomen des „Jo-Jo-Rennens“. Dies liegt daran, dass Unterschiede in der Nutzung elektrischer Energie an verschiedenen Punkten des Stromkreises zu schnellen, manchmal künstlichen Positionsänderungen führen. Solche Positionskämpfe fühlen sich für die Fahrer weniger wie reines Rennen an, sondern eher wie eine mechanische Folge des Energiemanagements.

Verschiedene prominente Persönlichkeiten äußerten ihre Unzufriedenheit. Oscar Piastri von McLaren beschrieb die aktuellen Antriebseinheiten als „eine beschissene Art, Rennen zu fahren“. Auch Grand-Prix-Sieger Lando Norris äußerte sich kritisch und glaubt, dass die Formel 1 das Reglement durcheinander gebracht habe, um neue Motorenhersteller wie Audi anzuziehen. Max Verstappen sagte, er habe bei seinem ersten Fahrerlebnis in Spa-Francorchamps nach den Regeln von 2026 im Red Bull-Simulator laut gelacht. Fernando Alonso ging sogar noch weiter und erklärte, dass F1-Autos auf einer Runde auf derselben Strecke derzeit weniger Energie ausstoßen als Formel-2-Autos.

Domenicali selbst hat die Fahrer aufgefordert, „konstruktives“ Feedback zu geben, am besten hinter verschlossenen Türen. Er bestritt entschieden, versucht zu haben, die Fahrer zu zensieren. Ihm zufolge muss die Diskussion in einem geschlossenen Rahmen stattfinden, um zu konkreten Lösungen zu gelangen, fernab der öffentlichen Meinung.

Dennoch wurden bereits schnelle Anpassungen vorgenommen. Obwohl Domenicali wiederholt die Motorenvorschriften verteidigte, reagierte die Organisation schnell. Nach dem fünften Saisonrennen traten einige Änderungen in Kraft, die die Dringlichkeit der Situation verdeutlichen.

Die einschneidendste Veränderung betrifft die Energieverteilung. Die Formel 1 plant, die ursprüngliche 50:50-Leistungsaufteilung zwischen Verbrennungsmotor und elektrischer Energie aufzugeben. Diese Verteilung war ein entscheidendes Merkmal der neuen Triebwerke und wurde vor ihrer Einführung jahrelang stark gefördert. Bis 2028 will sich der Sport zu einem Verhältnis von 60 zu 40 weiterentwickeln, mit einem größeren Anteil für den Verbrennungsmotor.

Dieser Kurswechsel zeigt, dass die Kritik hinter den Kulissen durchaus ernst genommen wird. Die Balance zwischen einer spektakulären Show für die Fans einerseits und einem fairen und zufriedenstellenden Rennprodukt für die Fahrer andererseits bleibt ein heikler Balanceakt für die höchste Motorsportklasse. Der Druck, dieses Gleichgewicht zu finden, ist spürbar.

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