APEX RACEWIRE Redaktion
Mercedes' cleverer Quali-Trick: Hohes Risiko, große Belohnung
Ein scheinbar bizarres Manöver von Mercedes in der Qualifikation zum British Grand Prix entpuppt sich als geniale, aber riskante Methode für schnellere Rundenzeiten.
Von Patrick Koster - 2026-07-09T07:39:04.000Z - 2 Min. Lesezeit

Nachdem die Telemetriedaten nach der Sprint-Qualifikation in Silverstone analysiert worden waren, herrschte im Paddock zunächst Verwirrung. Kimi Antonelli und George Russell gingen beide unmittelbar vor der Ziellinie scheinbar ohne Grund vom Gas. Ein auffälliges Manöver, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Antonelli die Sprint-Pole um einen Bruchteil einer Sekunde verpasste – eine Spanne, die ohne diese ungewöhnliche Aktion womöglich nicht bestanden hätte.
Diese scheinbar kontraintuitive Bewegung war jedoch kein Fehler, sondern ein ausgeklügeltes Umgehen der komplexen Energiemanagement-Regeln. Das Formel-1-Reglement schreibt eine 'Ramp-Down-Rate' vor, was bedeutet, dass die Batterie ihre Energie auf einer Geraden schrittweise drosseln muss. Dadurch können die Teams ihre vollen 350 kW Leistung nicht immer maximal bis zur Zeitnahmelinie nutzen, doch Mercedes hat eine legale Methode gefunden, dies länger zu tun, was einen Zeitgewinn von etwa 0,05 Sekunden pro Runde einbringt.
Der Kern des Tricks besteht darin, dass das vollständige Loslassen des Gaspedals eine Ausnahme von der 'Ramp-Down'-Regel aktiviert. Dies ermöglicht es dem Fahrer, die Linie mit maximaler Leistung anzusteuern und die Energieabgabe genau im richtigen Moment auf Null zu senken. Zu Beginn dieser Saison wurde eine ähnliche Taktik über ein Not-Aus der MGU-K angewendet, doch die FIA verbot diese Methode aus Sicherheitsgründen. Der aktuelle Ansatz, bei dem der Fahrer selbst das Gas wegnimmt, wurde jedoch als legal eingestuft.
Die Umsetzung erfordert jedoch äußerste Präzision vom Fahrer. Erreicht die Batterie den Nullwert zu spät, weil der Fahrer nicht rechtzeitig vom Gas geht, liegt ein technischer Regelverstoß vor. Dies bedeutet höchstwahrscheinlich die Disqualifikation aus der Qualifikation und einen Startplatz am Ende des Feldes. Russell und Antonelli haben daher ausführlich im Simulator geübt und erhielten während ihrer schnellen Runden ein Audiosignal als Orientierungshilfe für den richtigen Zeitpunkt des LIFT-Moments.
Nachdem die Methode und ihre Vorteile nun bekannt sind, werden andere Teams zweifellos versuchen, sie zu kopieren – insbesondere auf Strecken wie dem Hungaroring, wo ein solcher Vorteil erheblich sein kann. Es ist ein klassisches Beispiel für eine Taktik in der Formel 1, bei der ein beträchtliches Risiko für eine potenzielle, aber entscheidende Belohnung eingegangen werden muss.