APEX RACEWIRE Redaktion
F1-Bremsen kämpfen durch 2026er-Regeln mit kalten Temperaturen
Die einschneidenden Formel-1-Regeln für 2026 mit Fokus auf Energierekuperation führen wegen dauerhaft niedriger Betriebstemperaturen zu unerwarteten Problemen an den Hinterradbremsen.
Von Ruben Smit - 2026-07-09T13:12:30.000Z - 2 Min. Lesezeit

Das Formel-1-Reglement für 2026 brachte grundlegende Änderungen mit sich, die sich vor allem auf die Antriebe und die aktive Aerodynamik konzentrieren. Weniger auffällig, aber genauso folgenschwer sind die Auswirkungen auf Bauteile wie die Bremsen. Ein starker Fokus auf Energierekuperation beim Bremsen hat die Rolle der Hinterradbremsen völlig neu geschrieben.
Die Effizienz dieses Energierückgewinnungssystems ist so hoch, dass sich die Teams im vergangenen Jahr fragten, ob traditionelle Hinterradbremsen überhaupt noch nötig seien. Um Extreme zu verhindern, schlug die FIA eine Mindestbremskraft und eine maximale Scheibendicke vor. Dennoch bleiben die Temperaturen an der Hinterachse deutlich niedriger als zuvor und liegen häufig unter 100 Grad Celsius – weit unter dem optimalen Arbeitsbereich des Karbonmaterials.
Diese niedrigen Temperaturen führen zu inkonstanter Leistung des Karbons, was es den Fahrern erschwert, ein berechenbares Bremsgefühl zu finden. Regelmäßig berichten Piloten, darunter George Russell, von launischem Verhalten, bei dem sich das Bremsen eher wie mechanisches Schrubben statt wie eine chemische Reaktion anfühlt. Zudem zeigt sich unter diesen kalten Bedingungen paradoxerweise ein erhöhter Verschleiß des Materials.
Zulieferer und Teams standen vor einer gewaltigen Herausforderung. Simulationsergebnisse stimmten nicht immer mit der Realität auf der Strecke überein, und die unterschiedlichen Bremskonzepte der Teams – mit variierenden Dimensionen von Scheiben, Belägen und Bremszangen – machten Leistungsprognosen komplex. Nach den ersten Testtagen in Barcelona wurden daher umgehend Anpassungen an den Bremssystemen gefordert.
Als Reaktion auf die gewonnenen Erkenntnisse wird nun intensiv an neuen Materialien und Geometrien gearbeitet – ein Prozess, der mitunter lange Vorlaufzeiten benötigt. Für 2027 wird erwartet, dass die Abmessungen der Hinterradbremsen schrumpfen dürften, da viele Teams nun das Gefühl haben, dass die aktuellen Systeme, die vorsichtshalber größer dimensioniert wurden, für ihre reduzierte Aufgabe noch immer zu massiv sind.