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Verwirrung in Spa: Warum Hamilton bestraft wurde, Leclerc nicht und Motoren stotterten
Die Rennleitung sorgte mit unterschiedlichen Urteilen für Kopfschütteln, während unerklärliche Motorprobleme und ein Kalenderdilemma die Spannung im Fahrerlager erhöhten.
Von Nadia van Leeuwen - 2026-07-21T07:00:48.000Z - 3 Min. Lesezeit
Das Formule 1-Wochenende in Spa lieferte neben hochkarätiger Action auch reichlich Kontroversen rund um die Rennleitung. Besonders die gegensätzlichen Entscheidungen zu zwei entscheidenden Vorfällen mit Lewis Hamilton und Charles Leclerc warfen viele Fragen auf. Die offiziellen FIA-Fahrerrichtlinien bildeten jedoch die Grundlage für die verhängten Strafen – und deren Ausbleiben.
So erhielt Hamilton nach einer Kollision mit George Russell in der Auftaktrunde eine Fünf-Sekunden-Strafe. Die Rennkommissare entschieden, dass Russell ausreichend neben Hamilton lag und somit Anspruch auf Platz in der Kurve hatte. Als Hamiltons Ferrari wegrutschte und er trotz Gegenlenkens Russells Fahrzeug traf, wurde dem mehrfachen Weltmeister die volle Verantwortung zugeschrieben. Eine Zehn-Sekunden-Strafe wurde halbiert, auch weil Hamilton das Vergehen einräumte und versuchte, Kontakt zu vermeiden.
Eine vergleichbare, jedoch unbestrafte Situation trug sich zwischen Charles Leclerc und Oscar Piastri zu. In ihrem intensiven Zweikampf um Platz drei in Runde acht blieb Leclerc ohne Sanktion. Die Rennleitung stellte fest, dass Piastri nicht weit genug neben dem Ferrari lag, um dieselben Rechte auf Raum einzufordern. Seine Vorderachse befand sich nicht vor der von Leclerc, womit ein Überholmanöver objektiv unmöglich war.
Ein bemerkenswerter Moment im Green Room, wo Leclerc gemeinsam mit Max Verstappen und Kimi Antonelli die Szenen analysierte, warf jedoch ein anderes Licht auf die Angelegenheit. Beim Anblick des Kontakts mit Piastri weiteten sich Leclercs Augen und er holte tief Luft, bevor er hervorbringen konnte: „Der war...“ Verstappen ergänzte treffend: „Kalkuliert“, woraufhin beide Fahrer lachten und ein verlegener Leclerc schnell seine Kappe ins Gesicht zog. Der Vorfall schien damit die Grenzen des Reglements auszuloten.
Nicht nur die Strafen sorgten für Aufsehen; auch rätselhafte Probleme mit der Mercedes-Power-Unit warfen einen Schatten auf das Wochenende. Sowohl George Russell als auch McLaren-Pilot Oscar Piastri litten in der Qualifikation über eine Runde unter mysteriösem Energiemangel, wobei Russell etwa 0,2 bis 0,25 Sekunden verlor. Dieser unerwartete Leistungsverlust spielte sogar beim Vorfall der ersten Runde zwischen Russell und Hamilton eine Rolle.
Teamchef Toto Wolff sprach von einem „neuen Problem“, das während des Rennens auftauchte, und Mercedes gab offen zu, die genaue Ursache noch nicht zu verstehen. Die extrem komplexe Natur der heutigen Hybridmotoren und ihrer Einsatzregeln mache solche Nuancen außerordentlich schwer analysierbar, erklärte McLaren-Teamchef Andrea Stella. Kleine Abweichungen im Fahrstil können enorme Auswirkungen auf die Energieabgabe und die entscheidenden Bremspunkte haben, was es für die Fahrer äußerst schwierig macht, konstant das Maximum aus der Power-Unit herauszuholen.
Abseits des Renngeschehens stellte Spa-Francorchamps mit 400.000 Besuchern einen Rekord auf und bewies die ungebrochene Begeisterung für den ikonischen Kurs. Dennoch muss Belgien in zwei der kommenden sechs Jahre auf seinen Grand Prix verzichten, ungeachtet seines historischen Werts und seiner enormen Popularität. Die für den Kalender verantwortliche Formule 1 tut sich schwer damit, finanzielle Forderungen staatlicher Sponsoren mit dem materiellen Wert klassischer europäischer Rennstrecken abzuwägen, die schlichtweg weniger Antrittsgebühren zahlen können.
Schließlich gab es den taktischen, aber völlig logischen Schachzug von Red Bull in der Qualifikation. Isack Hadjar gab Max Verstappen Windschatten, was ihn um etwa 0,3 Sekunden schneller machte. Obwohl manche dies als unsportlich bezeichnen, schleppte Hadjar bereits eine Startplatzstrafe von 30 Plätzen mit sich herum, sodass sein eigenes Qualifikationsergebnis belanglos war. Seine Hilfe ermöglichte Verstappen den Start aus der ersten Reihe statt von Platz sechs – unter den gegebenen Umständen ein cleverer und reglementkonformer Schritt.