APEX RACEWIRE Redaktion
Ferrari bärenstark in Ungarn, Mercedes hadert mit der Welle
Der erste Tag des Großen Preises von Ungarn zeigte ein beeindruckend starkes Ferrari-Team, während Mercedes mit den neuen Streckenbedingungen kämpfte und Upgrades gemischte Ergebnisse lieferten.
Von Michael de Vries - 2026-07-24T19:02:29.000Z - 4 Min. Lesezeit

Der Eröffnungstag des Großen Preises von Ungarn auf dem Hungaroring hat die Kräfteverhältnisse auf Anhieb verschärft. Während Ferrari einen bärenstarken Eindruck hinterließ und die Zeitenlisten dominierte, erlebte Mercedes einen enttäuschenden Start ins Wochenende. Für mehrere Teams war es zugleich der erste Kontakt mit neuen Bauteilen oder die Bestätigung anhaltender Probleme.
Charles Leclerc setzte im ersten freien Training die Schnellstzeit, ehe Teamkollege Lewis Hamilton in der zweiten Session die Oberhand behielt und einen 1-2-Erfolg für das Team absicherte. Diese Leistung unterstrich die Stärke des SF-26 in den langsameren Kurven – ein Aspekt, den Mercedes im Vorfeld befürchtet hatte. Teamchef Fred Vasseur sprach von einem „bislang guten“ Auftakt und zeigte sich zufrieden mit den gebrachten Upgrades. Dennoch blieb das Team wachsam, da das entscheidende Qualifikationsduell erst noch gewonnen werden muss – etwas, das Ferrari in dieser Saison 2026 bisher noch nicht gelungen ist.
Mercedes hatte hingegen einen beschwerlichen Freitag, an dem George Russell in beiden Sessions als bestplatzierter Fahrer den fünften Rang belegte. Er äußerte seinen Unmut über den frisch neu asphaltierten Kurs, den er als uneben und störend für die Bremszonen empfand, insbesondere vor Kurve eins. Teamkollege Kimi Antonelli hatte den gesamten Nachmittag über mit blockierenden Hinterrädern zu kämpfen und konnte im repräsentativen zweiten Training keine gültige Runde auf weichen Reifen setzen. Es kündigt sich ein harter Kampf an, zumal Max Verstappen auf vergleichbaren langsamen Kursen wie Monaco in starker Form agierte.
Für Aston Martin, das mit wichtigen neuen Upgrades für Aufmerksamkeit sorgte, war es ein Tag mit zwei Gesichtern. Die Premiere des überarbeiteten AMR26-Pakets schien durch einen Aufhängungsdefekt bei Lance Stroll einen Fehlstart zu erleben. Obwohl es sich um ein nicht aufgewertetes Bauteil handelte, führte dies zu erheblichem Zeitverlust für den Kanadier. Teamvertreter Pedro de la Rosa betonte, dass Stroll Zeit benötige, um sich an das „neue Gefühl“ und die „abweichenden Charakteristiken“ des Autos zu gewöhnen. Es wurden sogar Teile von Silverstone zum Hungaroring geflogen, um Stroll mit den neuesten Spezifikationen auszustatten.
Dennoch gab es auch ermutigende Signale aus dem Aston-Martin-Lager. Fernando Alonso zeigte sich in den Trainings verhalten positiv, trotz auffälliger Motorvibrationen in der ersten Session. Er spürte keine „großen Überraschungen“ und stellte fest, dass es keinen „großen Rückstand mehr in den Kurven gegenüber der Spitze des Mittelfelds“ gebe – eine Beobachtung, die von Konkurrenten geteilt wurde. Teamchef Adrian Newey nannte die vorläufigen Ergebnisse „vielversprechend“, was die Hoffnung nährt, dass Aston Martin nun tatsächlich ein Auto hat, mit dem man mitkämpfen kann, anstatt am Ende des Feldes zu verschwinden.
Neben den Spitzenreitern konnten sich auch andere Teams positiv in Szene setzen. Lando Norris positionierte sich mit Rang drei im FP2 als erster Verfolger von Ferrari und wies einen komfortablen Vorsprung auf Teamkollege Oscar Piastri auf, wobei Norris' zusätzliche Fahrzeit und neue Teile eine Rolle spielten. Auch Racing Bulls meldete sich zu Wort; Liam Lawson führte das Mittelfeld an und lag sogar vor Piastri, was ein gutes Zeichen ist. Beide Racing-Bulls-Autos waren mit den neuesten Upgrades ausgestattet und schienen bereit, den Kampf mit Audi erneut aufzunehmen, selbst auf einer weniger leistungsempfindlichen Strecke.
Am anderen Ende des Spektrums erlebten Alpine und Williams einen schweren Start ins Wochenende. Alpine, das einzige Team ohne gemeldete Upgrades in Ungarn, kämpfte mit fehlendem Grip und mangelndem Abtrieb. Pierre Gasly nannte es „einen der schwersten Freitage bisher“, auch bedingt durch die windigen Bedingungen. Ein Crash von Franco Colapinto im FP2 sorgte für zusätzliche Sorgen und bescherte den Ingenieuren eine lange Nacht. Williams hatte ebenfalls einen harten Tag, geplagt von überhitzenden Hinterreifen und Windinstabilität, wie Ingenieur Richard Frith bestätigte. Der Rückstand auf die Spitze war mit über drei Prozent beträchtlich – der schlechteste Wert der Saison –, sodass das Team auf ein großes Upgrade hofft, das erst in Baku erwartet wird.
Der erste Tag in Ungarn zeichnet ein klares Bild der Kräfteverhältnisse. Ferrari scheint das Auto zu sein, das es zu schlagen gilt, während Mercedes sich neu sortieren muss. Aston Martin zeigt Potenzial, doch Zuverlässigkeit und Fahrereingewöhnung bleiben Stellschrauben. Der Fokus richtet sich nun auf das Qualifying, in dem die Teams unter Druck zeigen müssen, wer tatsächlich Anspruch auf ein Top-Ergebnis hat.